Hallo Condor,
vielen Dank erstmal, dass du dir die Mühe machst und auch wirklich auf Beiträge eingehst!
Zitat:Einmal dadurch das sie durch die rundum-Graviatation der Erdkruste in der Mitte in Schach
gehalten wird, weil sie von allen Seiten angezogen wird. Aber ich weiss auch das die Erde
kein exakt runder Planet ist, sondern das sie aussieht wie eine Kartoffel.
Das funktioniert leider nicht, auch wenn man normalerweise ganz intuitiv denken würde, dass ein Objekt in der Mitte eines Hohlkörpers schweben würde. Tatsächlich (siehe "Newtonsche Schalentheoreme") erfahren alle Objekte im Inneren eines homogenen Hohlkörpers keine Gravitationskräfte, ganz gleich, wo sie sich befinden. Sie sind also schwerelos. Eine Sonne könnte sich nicht stabil halten, sie wäre von der Erddrehung, von der Präzession sowie der Bewegung um die Sonne abgekoppelt und würde im "Erdinneren" ein ordentliches Chaos anrichten, denn es folgen nur diejenigen Objekte der Bewegung der Erde, die sich stabil in ihrem Gravitationsfeld befinden. Ich zitiere einmal wortwörtlich:
"Eine Probemasse im Inneren einer sphärisch-symmetrischen Massenverteilung (Hohlkugel) erfährt keine Gravitationskraft von dieser"
Dieses sogenannte "Zweite Newtonsche Schalentheorem" leitet sich direkt aus dem Gravitationsgesetz ab. Wer daran irgendwie meckern möchte, darf sich also an überaus fundamentale Gesetzesmäßigkeiten machen.
Übrigens: Die Erde ist eine Kugel, die nur an den Polen leicht abgeflacht ist, ein Geoid. Das bekannte Bild, worauf die Erde "kartoffelförmig" aussieht, zeigt gravitative Anomalien an der Erdoberfläche, und das deutlich übertrieben, indem der Boden angehoben oder abgesenkt wird, um klar zu zeigen, wo beispielsweise die Dichten größer oder kleiner sind. Die Erde selbst ist tatsächlich eine Kugel bzw. ein Geoid, keine Kartoffel
Zitat:Aber Illum erwähnte auch etwas von einer künstlichen Sonne, auch eine Möglichkeit,
aber das Material um so eine Sonne erst einmal zu bauen muß enorm sein.
Aber für die vollendeten Technologien von hochentwickelten Wesen dürfte das auch kein Problem sein.
Künstliche Sonne...okay. Zuerst müssen wir, wenn wir annehmen, dass die Erde tatsächlich hohl ist, uns fragen, wie die Bewohner im Erdinneren leben sollen: Gemäß der weiter oben zitierten Gesetzesmäßigkeit sind die armen Bewohner der inneren Erde schwerelos. Es könnte dort überhaupt kein Leben existieren, selbst wenn die Erde hohl WÄRE.
Wer diesen Knochen geknackt hat, muss die Frage beantworten, woher die "Innere Sonne" ihre Energie nimmt. Welche Möglichkeiten würden prinzipiell bestehen, wenn wir mal über alle physikalischen Gesetze hinwegsehen, die gegen eine Hohlerde sowie mögliche Bewohner sprechen:
-Kernfusion: Ausgeschlossen. Sie erfordert für die Fusion von Deuterium zu Helium (der einfachsten Variante) mehrere Milliarden Bar Druck sowie Hunderte Millionen Grad Temperatur, wie eben im Inneren der Sonne herrschen. Dafür müssten im Erdinneren ungeheure Massen auf einem winzigen Punkt konzentriert sein. Man bedenke: Selbst Objekte mit dutzenden und hunderten Jupitermassen, die sogenannten Braunen Zwerge, sind nicht massereich genug, um Fusionsprozesse im Inneren ablaufen zu lassen. Und selbst wenn die hypothetischen Bewohner es irgendwie schaffen sollten: Was schützt sie dann vor dem "Inneren Sonnenwind", energiereichen Protonen und Elektronen? Und nicht vergessen: Ein Magnetfeld dürfte es bei einer Hohlerde gar nicht geben.
-Kernspaltung: Ebenfalls ausgeschlossen. Kontrollierte Kernspaltung braucht neben einer spaltbaren Substanz (beisielsweise angereichertes Uran 238, Plutonium 239) auch einen Moderator, der als Neutronenbremse fungiert, gerne verwendet wird Wasser, Graphit oder flüssiges Metall. Einen Knackpunkt gibt es aber noch: Eine Plutonium-Kugel mit mehr als 20 kg Masse ist überkritisch, es kommt zu einer spontanen Explosion. Kontrollierte Prozesse erfordern kleine Mengen an Material sowie einen Reaktor.
-Chemische Reaktionen: Liefern nicht genügend Energie.
-Annihilationsreaktion: Werden Anti-Materie sowie "normale" Materie zusammengebracht, so zerstrahlen sie in Energie. Alle Zweifler seien schonmal gewarnt: Beim Beta-Plus-Zerfall beispielsweise, einer besonderen Art des radioaktiven Zerfalls, wird ein Positron frei, das Antiteilchen zum Elektron. Dieser Dualismus ist kein Märchen, sondern nüchterne Realität.
Die Frage, die sich stellt: Wie sollen es die Bewohner geschafft aben den "Antimateriebrennstoff" zu lagern? Wie läuft eine kontrollierte Reaktion ab? Auch diese Möglichkeit ist absolut fragwürdig.
Du siehst Condor: Selbst wenn wir großzügig über das Newtonsche Schalentheorem wegsehen, bleibt die Frage offen, woher die innere Sonne ihre Energie beziehen soll.
Zitat:Durch die Erdrotation. Das heiße, flüssige Material in der Erde hat sich durch die Erdrotation immer weiter
nach außen gedrückt und wird es auch in Zukunft tun.
Im Ansatz hast du da Recht. Du überschätzt allerdings die Stärke dieses Effektes. Das einzige, was durch die am Äquator (bzw senkrecht zur Rotationsachse) am stärksten wirksame Radialkraft passiert, ist eine leichte Ausbeulung, wodurch der Anschein erweckt wird, dass die Erde abgeplattet ist.
Bedenke auch, dass der Betrag der Radialkraft mit kleinerem Winkel zur Rotationsachse immer kleiner wird, in den "höheren" Breiten also immer geringer. Die Erde müsste sich hundertemale schneller drehen, bis sie auseinanderreißt. Es würde ein diskusförmiges Gebilde entstehen, vergleichbar mit einer Scheibe, ganz ähnlich einer Spiralgalaxie.
Würde die Erde es aus irgendeinem Grund schon vor 4,5 Milliarden Jahren getan haben, hätte sich aus den Planetensimalen ganz einfach kein Planet gebildet.
Was die Hypothese der Erdexpansion angeht, so fehlen ihr die Beweise. Der Kontinentaldrift zusammen mit der massiven Erde erklärt die Tatsachen besser.
Zitat:Die Luft füllt die innere Erde nicht aus sondern sie wird durch die Gravitation der Erdkruste angezogen und bleibt
somit auf der Erdkruste liegen. Luft ist auch Materie aber im gasförmigen Zustand.
Wie wir es oben bereits diskutiert haben, würde die Luft eben nicht an der Erdkruste "liegenbleiben", sondern frei im Erdinneren umherschweben und den gesamten Raum mehr oder minder gleichmäßig ausfüllen, da die Erdkruste nicht homogen ist. Der daraus resultierende Luftdruck wäre ziemlich klein...
Zitat:Auf der Erde gibt es 3 unterschiedliche
Formen des Zustandes der Materie: gasförmig, flüssig und fest, oder sinds noch mehr?
Auf der Erde wirst du den "vierten Aggregatzustand" der Materie, das Plasma (die sogenannte erste Entartungsstufe), nicht vorfinden, dafür sind Temperaturen über 5000 Grad nötig. In diesem Zustand sind die Elektronen nicht an Atome gebunden und können sich frei bewegen.
Was hat das jetzt aber mit der Hohlerde zu tun?
Ich hoffe es leuchtet dir langsam ein: Das Konzept der Hohlerde ist weder stimmig, noch logisch. Schon einfachste physikalische Sachverhalte, die jeder selbst nachprüfen kann (Erdmagnetfeld...) sprechen dagegen. Es gibt keinen Grund daran festzuhalten.
Viele Grüße,
Marcel