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Star Wars "Die letzten Jedi" - eine Filmkritik mit Spoilern (Gelesen: 280 mal)
Erutan
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RESISTO

Beiträge: 2423
Star Wars "Die letzten Jedi" - eine Filmkritik mit Spoilern
16.12.17 um 20:59:14
 
Eine Filmkritik, die Spoiler enthält. Bitte nicht lesen wenn Du Dir Star Wars Episode VIII noch ansehen möchtest.

Nie wieder Star Wars
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Für mich, einen Star Wars Fan der allerersten Stunde war es das. Die neunte und (hoffentlich) letzte Episode sehe ich mir nicht mehr an. Mich erinnert das, was da seit 1999 über die Landwand flimmerte, ein wenig an das Betriebssystem Windows. Mit jedem Update und jeder neuen Version hoffst du, dass es besser wird aber es wird immer nur schlimmer. Um den Zauber der einstigen Star Wars Filme nicht gänzlich zu verlieren, habe ich bereits in der ersten halben Stunde von "Die letzten Jedi" beschlossen, den neunten Teil zu meiden.

Alle haben sich Gedanken um verborgene Verbindungen gemacht – nur Disney nicht.

Star Wars Fans waren es gewohnt, dass die Geschichte immer mal wieder einen jähen, unerwarteten Richtungswechsel erfährt. Insofern überschlugen sich die Spekulationen hinsichtlich Snokes Herkunft. War es vielleicht Mace Windu, der seinen Sturz überlebt hatte und dann zur dunklen Seite gewechselt war? Oder war es gar Darth Vader selber, der wiederauferstanden war und nun doch nicht mehr ein guter Jedi sein wollte?
Nur einer hatte sich keinerlei Gedanken gemacht: Disney. Die hatten offenbar einfach nur einen Schurken gebraucht. Woher der kam war ihnen egal; jeder Bezug zum Star Wars Universum war ihnen völlig wurscht. Und eine Episode später wurde er dann auch schon wieder entsorgt.
Disney handelte, als gäbe es kein Star Wars Universum, keine Hintergründe, keine Originalfilme. Oder vielleicht doch, denn wenn es um altehrwürdige Zitate ging war fleißiges Abkupfern angesagt.

Manch einer lernt's nie – die Verniedlichung einer spannenden Geschichte ist Kacke!

Die Ewoks kamen schon nicht gut an und Jar Jar Binks war für viele Fans nur schwer zu ertragen gewesen aber was Disney in "Die letzten Jedi" an seltsamen, mitleiderregenden, komischen oder komisch anmutenden Figuren auf die Leinwand brachte, ist definitiv zu viel. Das ist nicht putzig, das ist peinlich! Es will einem das Gefühl nicht vergehen, hier sollten einfach nur Lacher im Kino produziert werden. Das hat geklappt aber Fans bemessen einen Star Wars Film nicht daran, wie oft sie gelacht haben.

Ein kleiner grüner Gnom den man nicht wiedererkennt.

Eines von dem gemunkelt wurde und das sich Star Wars Fans erhofft hatten, wurde dann tatsächlich Realität. Yoda kehrte zurück! Aber war das wirklich Yoda? Schon rein optisch hat dieser kleine grüne Gnom kaum mehr Ähnlichkeiten mit dem weisen, sanftmütigen aber strengen Wesen, dem Luke einst auf Dagobah begegnet war. Die Wandlung hatte allerdings schon 1999 eingesetzt wo da plötzlich ein altersstarres Männlein saß, das sich mit Yoda anreden ließ. Die wenigen Sekunden, die Yodas Auftritt dauerte, konnte ich dem Drang nicht widerstehen, nach den Sehschlitzen in der Gummimaske zu suchen, denn genauso sah Yoda aus: Wie eine alte Don Post-Gummimaske.
Was er zu sagen hatte war dann allerdings schon mehr nach meinem Geschmack. Und es erinnerte mich einmal mehr daran, wie sehr ich mich schon von Episode VII betrogen gefühlt hatte. "Gib weiter was du gelernt". Das war Yodas Auftrag an Luke gewesen und es war exakt DAS was Star Wars Fans zu hoffen gewagt hatten. Sie wollten dabei sein wenn Luke eine neue Generation von Jedi ausbildete, einen neuen Orden gründete. Stattdessen war alles schon vorüber gewesen als Episode VII startete.
Doch nicht einmal in Episode VIII war es einem vergönnt, Luke als echten Lehrer zu sehen. Und dazu wird es auch nicht mehr kommen, denn die Jedi der neuesten Generation, das wissen wir ja bereits seit Episode VII, benötigen gar keine Ausbildung mehr. Sie beherrschen die Jedikünste binnen weniger Stunden.
Dass Disney damit eine Menge des Star Wars - Zaubers einfach verbrannt hat, ist denen wahrscheinlich nicht einmal bewusst.

Der Ideenklau geht weiter

Auch wenn Episode VIII nicht mehr ganz eine 1:1-Kopie der Star Wars Originale ist wie es bei Episode 7 der Fall war, so bedient man sich auch hier fleißig althergebrachter Ideen. Die Heldin liefert sich an den Bösewicht aus, in festem Glauben, ihn bekehren zu können. Dieser enttäuscht sie, legt sie in Fesseln und bringt sie zu seinem Meister. So weit irgendwie bekannt? Nunja, dieser Meister sitzt natürlich auf einem Thron und legt das Laserschwert der Heldin auf die Armlehne. Dann erklärt er ihr genüsslich, dass die jüngsten Ereignisse allein nach seinem Willen geschehen seien. Derweil darf die Heldin zusehen wie ihre Freunde vernichtet werden. Auch noch irgendwie bekannt, oder? Man glaubt fast, Palpatine aus Snokes einfallslos hässlichem Antlitz sprechen zu hören. Und selbst wenn sich Disney nun bemüht, das Ganzte nicht wie planlos abgekupfert wirken zu lassen indem beispielsweise das Laserschwert nicht die Hand der Heldin erreicht sondern um sie herum und ihr lächerlicherweise gegen den Kopf fliegt, so wirken diese Vonsichweisungen doch eher hilflos.
Gleiches gilt dann auch für die Schlacht von Hoth....ähhmm...dem Planeten auf den sich die letzten Rebellen noch flüchten können. Auch hier versucht Disney jede Abkupferei weit von sich zu weisen. So leckt denn auch gleich mal jemand am Boden und sagt dann, dass es sich um Salz handele. Okay, ich verstehe: Es sieht nur so aus wie Hoth aber es ist eigentlich etwas ganz Anderes.

Der Rest ist dann freilich wieder 1:1 abgekupfert. Geher greifen an, Gleiter verteidigen.

Aber halt, da war doch noch etwas:

Die Rückkehr der Heulsuse

Am Ende kämpft er dann doch noch einmal. Luke Skywalker, den man den Fans versprochen hatte, greift höchstselbst zum Lichtschwert und tritt gegen den finsteren Schurken an dessen Schurkentum er selber durch eigenes Versagen einst verschuldete (siehe Obi Wan). Und tatsächlich: DAS ist mal ein Jedi! Er steht da, lässt sich beschießen und überlebt hunderte Blastertreffer. Wie enttäuscht ist man dann am Ende als man erfährt, dass es gar nicht Luke selbst war, der zum Kampf antrat sondern nur sein...hmmm...Astralbild. Luke derweil sitzt auf seiner Insel und löst sich kampflos am Ende auf. Das Ende eines Jedi, der Disney wohl für mehr als eine Episode zu teuer gewesen wäre.
Aber es ist gut, dass Luke nicht mehr dabei ist. Denn aus Luke, dem hitzigen, übereifrigen Streiter, dem mächtigen Jedi, der Darth Vader besiegte und die Macht ins Gleichgewicht brachte, ist Luke die Heulsuse geworden, die stets mit rot verheulten, tränengeschwängerten Augen dreinblickt und nichts mehr von den Jedi wissen will. Der Planet auf dem er sein selbstgewähltes Exil auslebt, ist der Planet, der den ersten Jediorden beheimatet hat. Der muss sich tatsächlich sehr vom zweiten Jediorden unterschieden haben, lebte er doch in löchrigeren Baracken als so manch ein steinzeitliches Urvolk der Erde. Besonders groß kann er auch nicht gewesen sein, betrachtet man die geringe Anzahl dieser Hütten. Was hier fehlt ist eindeutig eine phantasievoll gestaltete Kulisse wie sie Star Wars-Fans nun einmal gewöhnt sind.

Tja, so wie ich das sehe wird es nie wieder einen echten Star Wars Film geben. Das liegt meines persönlichen Erachtens daran, dass der tatsächliche Erfolg der Originaltrilogie auf Personen zurückzuführen ist, die nur ganz selten genannt werden und die – wohl aus grenzenloser überheblicher Selbstüberschätzung heraus, schon für die Prequels nicht mehr verpflichtet wurden. Die Rede ist hier von Namen wie Ralph McQuarrie, der wohl deutlich mehr Einfluss auf die Geschichte hatte als nur Zeichnungen von Szenen anzufertigen und der u.a. verantwortlich war für ikonische Schurken a la Darth Vader und die Stormtrooper; von Brian Muir, der dem finstersten Bösewicht aller Zeiten sein Antlitz verlieh, Andrew Ainsworth, der die meisten Rüstungen und Helme konstruierte sowie Lawrence Kasdan, dem wir es mit Sicherheit zu verdanken haben, dass sich Vader als Lukes Vater und Leia als seine Schwester entpuppte.
George Lucas selber, der sich selber stets als der "Macher" von Star Wars darstellte, schrieb dagegen zunächst lediglich ein 14-seitiges Skript für den ersten Film. Und auch wenn er hinterher immer behauptet hat, all das Star Wars Universum sei sein Werk und er habe es schon immer als Neunteiler erschaffen, so hat er dann am Ende doch bewiesen, was daraus wird wenn er wirklich federführend ist: Eine Prequel-Enttäuschung! Bösewichte, mal im Teufelchen-, mal im Graf Dracula- oder wahlweise auch im pickeligen Heulsusen-Look. Es gibt einen guten Grund warum die Episoden V und VI als die besten des gesamten Star Wars Universums gelten: Hier führte George Lucas nicht Regie und hielt sich auch bei den Drehbüchern zurück.

Es gibt einen einzigen Verdienst, der George Lucas wirklich anzurechnen ist: Es mag ein gutes Händchen oder einfach nur Glück gewesen sein aber es gelang ihm, für die Originaltrilogie ein Team aus Könnern und Enthusiasten zusammenzustellen. Mit Auflösung dieses Teams waren alle Chancen auf einen weiteren echten Star Wars Film verloren. Mit dem Tod Ralph McQuarries im Jahr 2012 ist dieses Schicksal wohl auch endgültig.
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Thagirion
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Re: Star Wars "Die letzten Jedi" - eine Filmkritik mit Spoilern
Antwort #1 - 17.12.17 um 11:12:21
 
So lange hast Du durchgehalten und gehofft? Für mich stand nach dem Film mit Jar Jar Binks schon fest, dass es 3 Star-Wars-Filme gibt, genau 3. Einen vierten wird es nicht geben.
Wann immer ein Film als Fortsetzung von etwas gedreht wird, das schon zu lange her ist, seien es alte Filme oder Fernsehserien, geht das so gut wie immer schief; man kriegt den Geist des Originals lange später, mit anderen Leuten und aus einer anderen Situation und einem anderen Zeitgeist heraus nicht mehr eingefangen.
Als einzige lobenswerte Ausnahme fällt mir da nur Alien ein, wobei die einzelnen Filme zwar je nach Zeitgeist völlig unterschiedlich ausfielen, aber trotzdem zusammenpassten, u.a. deshalb, weil von Anfang bis Ende Sigourney Weaver dabei war und das eigentlich simple Handlungsprinzip des unheimlichen Wesens in einem begrenzten Umfeld mit einer begrenzten Menge Menschen immer beibehalten wurde.
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Hagall
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Re: Star Wars "Die letzten Jedi" - eine Filmkritik mit Spoilern
Antwort #2 - 17.01.18 um 19:01:02
 
2008 gab es nicht nur die künstliche Wirtschaftskrise sondern auch einen Bruch in der Filmindustrie ausgelöst durch die Streiks der Drehbuchautoren was schlußendlich zur Verlagerung der Budgets weg von Filmeffekten hin zu Löhnen für Autoren, noch höheren Phantasiegagen für Schauspieler, Wucherlizenzen usw. geführt hat.

Seither sind aufwendige Filme die krasse Ausnahme, Rückschritte in die 70er oder noch weiter die Regel. Das ist ungefähr so als wenn man einen Dick und Doof Film mit Wortwitzen drehen würde.

Durch den starken Qualitätsverfall liegt die Latte für kleinere Studios jetzt noch niedriger und B-Movies sind eigentlich die Downloadzeit nicht mehr wert.

Bestes Beispiel und Tiefpunkt dieser Entwicklung Filme wie Conan (2011) wo der Name wohl den Großteil des Budgets gefressen hat und Conan tatsächlich zum Finale eine leere Burg erobert. Mehr als 20 Statisten hab ich im ganzen Film nicht gesehen. Ganz anders der Film von 1980 der aufwendiger und realistischer ist als fast alles was heute produziert wird.

Dasselbe gilt natürlich für Serien. Aufwendige Serien kommen mit wenigen Ausnahmen über 1-2 Staffeln nicht hinaus der billige Dreck schafft regelmäßig locker 10 Staffeln. Ich schau mir in vielen Fällen die erste Staffel gar nicht mehr an bevor nicht feststeht, daß es überhaupt eine zweite Staffel gibt.

Disney Star Wars kann sich da anschließen! Hätte man Harrison Ford in Episode VII durch einen CGI Han Solo ersetzt der den Pensionistenauftritt sicher auch geschafft hätte und das Geld in Effekte investiert hätte vielleicht Star Wars draus werden können. So aber war das was da vorgesetzt wurde quasi eine Wiederauflage von 1977 wobei sowohl Handlung als auch Niveau der Effekte ähnlich waren. Eine Rebellenflotte nur aus X-Wing? Hauptstützpunkt der Rebellen mit großzügig geschätzt ca. 50 Rebellen mit 2 Wachen auf einem unbefestigten Hügel? Wozu ein Todesstern um dort aufzuräumen würde ein kleines Sonderkommando ausreichen. Und ein Kindergartendarth den sich nichtmal die Kleinsten als Actionfigur kaufen wollen. Das Episode VII Zeug hat sich so schlecht verkauft, daß da und dort immer noch Stücke -90% rumliegen.

Ich habe in den letzten 10 Jahren nur drei Filme im Kino gesehen: Iron Sky (bitter bereut), Star Wars VII (bitter bereut) und ER ist wieder da (war ok). Nunmehr gehe ich überhaupt nicht mehr in ein Kino. Ich kanns erwarten bis man 3-4 Monate später irgendwo die Bluray runterladen kann Leinwand und Atmos/7.1 hab ich zuhaus.

Star Wars VIII werd ich also wohl irgendwann im April sehen. Ich unterstütze die Hollywood Industrie mit keinem Cent mehr! Filme die ich gerne sehen würde werden sowieso nicht produziert. Was könnte man z.B. über Fliegerheld Hans Ulrich Rudel für einen Film machen. Da ist Star Wars nix dagegen.
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